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Gib Laut! von Peter Weigelt

Erkennbares Selbstverständnis der Jagd ist wichtig

In den vergangenen Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, wurde die Jagd in der Öffentlichkeit oft nur an der Schnittstelle zur Politik wahrgenommen. Wenn wieder eine Gesetzesanpassung anstand, irgendein politischer Vorstoss Staub aufwirbelte oder übermotivierte Tierschützer mit grobem Geschützt auf Jagd und Jäger losgingen. Die anstehende Abstimmung vom November 2018 über die Abschaffung der Milizjagd im Kanton Zürich setzt diese einseitige Positionierung der Jagddebatte nahtlos fort. Dazu kommt, dass viele Jägervereine in den vergangenen Jahren stark gefordert waren, ihre Jagdschiess-Infrastruktur zu erhalten und den Anforderungen des neuen Treffsicherheitsnachweises anzupassen. Diese mit hohen Kosten und grossem ehrenamtlichen Engagement verbundenen Tätigkeiten absorbierten so stark, dass kaum Zeit für die leiseren Themen rund um die Jagd blieb.

Jagdkultur sicht- und erlebbar machen

Da wir aber immer wieder betonen, dass die Jagd kein Hobby, sondern eine Passion sei, kommen wir nicht darum herum, uns auch wieder vermehrt für die «leiseren» Themen rund um die Jagd stark zu machen. Zusammengefasst gilt es, der Jagdkultur wieder mehr Platz und Raum zu verschaffen. Denn gerade in der heutigen Zeit, in der die Jagd sich immer wieder gegen Anfeindungen und Unterstellungen wehren muss, kommt der Jagdkultur zunehmende Bedeutung zu. Vordergründig am greifbarsten in Sachen Jagdkultur ist sicherlich das Jagdhornspiel. Denn mit ihrem attraktiven, stimmungsvollen und traditionellen Auftritt prägen die Jagdhornbläser-Gruppen unsere Jagdkultur weit über die jagdlichen Kreise hinaus. So gesehen sind die Jagdhornbläser die wichtigsten Botschafter der Jagd und verdienen unseren Dank und unsere Anerkennung für ihr Engagement für eine lebendige Jagdkultur.

Jagdkultur besteht nicht nur aus sicht- und hörbaren Handlungen und Symbolen, sondern kommt auch in der Verantwortung und Wertschätzung gegenüber der Natur zum Ausdruck. So verstanden erachte ich beispielsweise auch das aktuelle Engagement der St.Galler Jagd gegen „Zäune als Todesfallen“ als eine jagdkulturelle Verpflichtung und damit als verbindlichen Auftrag an die St.Galler Jagd.

Persönliche Haltung ist entscheidend

Jagdkultur kann aber nicht einfach an eine Gruppe innerhalb der Jagd delegiert werden, sondern verpflichtet auch jeden einzelnen Weidmann. Dabei gilt es einmal mehr zu unterstreichen, dass „Jäger sein“ nicht auf jagdlicher Kleidung oder einem Fähigkeitsausweis gründet, sondern „Jäger sein“ ist vielmehr eine Frage der inneren Haltung. Damit wir als Jägerinnen und Jäger unsere innere Überzeugung und damit unsere Passion glaubwürdig gegenüber Dritten spürbar und verständlich machen können, ist erkennbares Selbstverständnis gefordert. Nicht mit lauter Propaganda für die Jagd, sondern mit einem von Demut und Achtung gegenüber den Tieren und der Umwelt geprägten Auftritt und Verhalten; ganz im Sinne des Leitspruchs, der seit letztem Jahr auf den Cheminee des Blockhauses Hubertus im Erlenholz zu lesen ist:

Ich kam schon oft mit leeren Händen
von der Jagd zurück,
aber noch nie mit leerem Herzen.

Mit Weidmannsdank für Euer so verstandenes jagdliches Selbstverständnis.

Peter Weigelt

Präsident RevierJagd St.Gallen