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"Gib Laut!" von Christian Beck, Hundeobmann

Ein «Gib Laut» von mir als Richter und Hundeobmann, oder «Ein Knigge bei Schweisshundeprüfungen für Prüfungskandidaten» .

In letzter Zeit ist mir als Hundeobmann und TKJ-Richter aufgefallen, dass viele Teilnehmer die Teilnahme an einer Übung oder Prüfung als selbstverständlich ansehen. Das Angebot wird rege genutzt, aber oft wird übersehen, welche Arbeit hinter den Vorbereitungen steckt. Die Planung beginnt bereits ein Jahr im Voraus. Revier- und Ortsvergabe, Klärung der Durchführbarkeit, Organisation des Geländes und der Verpflegung – all das muss geregelt werden. Die Richter müssen untergebracht und verpflegt werden, die Prüfungsleiter teilen die zu prüfenden Gespanne ein und kontrollieren die Zulassungsbedingungen. Fährtenmaterial wie Schweiss und Decken werden angeschafft, und auch Ersatzfährten müssen angelegt werden.

Ein Prüfling sieht am Prüfungstag meist nur das Geschehen von 8 bis ca. 14 Uhr. Die Richter reisen jedoch schon am Vortag an, um die Regularien und die Anlage der Fährten zu besprechen. Es dauert in der Regel 4-5 Stunden, um eine 1000-Meter-Fährte und zwei 500-Meter-Fährten anzulegen. Ohne die Unterstützung der Revierbegleiter wäre diese Arbeit erheblich erschwert.

Bis zu 20 Personen tragen zum Gelingen einer Prüfung bei und opfern ein ganzes Wochenende, um ideale Voraussetzungen zu schaffen. Diese Arbeit erfordert viel Leidenschaft.

Teilnehmer sollten sich bewusst sein, was eine Prüfung alles beinhaltet. Zwei Richter und ein Revierführer nehmen sich ein Wochenende Zeit, um die Fährten anzulegen, zu prüfen und zu besprechen. Die Richter werden zwar entlohnt, aber diese Entlohnung deckt oft nicht einmal die Fahrtkosten. Eine angemessene Entlohnung ist nicht möglich, da sie das Budget sprengen würde. Vereine und Verbände sind dankbar, dass es noch passionierte Richter gibt, die mit Erfahrung und Hingabe ein Prüfungswochenende auf sich nehmen.

Womit wir beim eigentlichen Knackpunkt wären: Leider kommt es immer wieder vor, dass Teilnehmer nach der Prüfung fragen, wie lange es noch dauert, bis das Diplom übergeben wird, weil sie am Nachmittag noch einen «wichtigen» Termin haben. Wer an einer Prüfung teilnimmt, muss sich den ganzen Tag freihalten. Die Welt dreht sich nicht um einen einzelnen Teilnehmer. Eine ganze Kette von Helfern ist anwesend, um den Prüfungstag zu ermöglichen. Dankbarkeit, Respekt und Wertschätzung gegenüber allen Mitwirkenden sind hier angebracht. Egoismus hat keinen Platz.

Ein weiteres Problem ist, dass viele Gespanne unzureichend vorbereitet zur Prüfung kommen. Es kam schon vor, dass ein durchgefallener Hundeführer meinte, er verstehe nicht, warum er durchgefallen sei, er habe doch ganze fünfmal mit seinem Hund geübt. Es braucht viel mehr Zeit, um seinen vierbeinigen Partner zu verstehen, als nur eine Frühlingsvorbereitung. Für solche Teilnehmer habe ich kein Verständnis, da sie die Arbeit und Zeit der Richter sinnlos vergeuden. Geh nur zur Prüfung, wenn du deinen Hund kennst und ihn lesen kannst. Andernfalls überlasse deinen Prüfungsplatz einem besser vorbereiteten Gespann.

Lies vor der Prüfung das entsprechende Prüfungsreglement, damit du weisst, was dich erwartet. Der Aufbau der Fährte, Winkel, Wundbett, Markierungen – all das erleichtert dir und den Richtern den Tag.

Auch wenn der Prüfungstag trotz idealer Vorbereitung schiefgeht, bleib bis zum Schluss der Veranstaltung. Fahr nicht enttäuscht oder wütend auf deinen Hund nach Hause. Auch dein Hund kann einen schlechten Tag haben. Meistens liegt das Problem jedoch beim Hundeführer. Nutze den Tag als Erfahrung und lerne daraus, sei es eine gute oder schlechte Erfahrung.

Wenn die Prüfung bestanden ist und das Diplom übergeben wird, verlasse die Veranstaltung nicht sofort. Auch die Jagdhornbläser, die zur traditionellen Abrundung des Tages spielen, verdienen Wertschätzung. Sie üben das ganze Jahr und haben nur wenige Anlässe, ihr Können zu zeigen.

Nehmt euch diese Anmerkungen zu Herzen. Ich weiss, dass nicht alle Hundeführer so handeln, aber einige müssen wachgerüttelt werden. Vieles funktioniert nur als Gemeinschaft mit gegenseitigem Respekt und Wertschätzung.

Zum Abschluss ein Dankeschön an alle, die dazu beitragen, dass ein Schweisshundeprüfungstag erfolgreich verläuft: Sektionsobmänner, Prüfungsleiter, Richter, Revierbegleiter, Küchenteam und Jagdhornbläser.

Waidmannsheil und Suchenheil,

euer Hundeobmann Christian Beck